Konzept
- Arbeitspsychologische Kategorien:
Anforderungen
beschreiben die in einem Beruf auszuführenden Aufgaben und Tätigkeiten, Merkmale des Arbeitsplatzes sowie für eine erfolgreiche und zufriedenstellende Berufsausübung notwendige Personmerkmale. Für den Lehrberuf können die Anforderungen aus dem Bildungs- und Erziehungsauftrag (Schulgesetz), aus Lehrplänen, rechtlichen Vorgaben u.a. abgeleitet werden. Auch die KMK-Vereinbarung vom 5.Okt. 2000: „Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern heute – Fachleute für das Lernen“ ist hier zu nennen.
Belastungen
beeinträchtigen, erschweren oder behindern die Erfüllung des beruflichen Auftrages, z. B. durch ungünstige materielle, soziale oder organisatorische Arbeitsbedingungen (siehe Literatur, z. B. Oestereicher und Volpert (1999)). Belastungen können durch allgemeine Rahmenvorgaben für die Schule entstehen, wie z. B. Klassengröße, Unterrichtsverpflichtung und Schulorganisation. Es kann sich aber auch um die Arbeitssituation handeln, die an einer bestimmten Schule besteht, z. B. durch die dort anwesenden Personen (Lehrkräfte, Schüler, Eltern usw.), ihre persönlichen Kompetenzen und ihre Beziehungen zueinander. Auch bauliche Gegebenheiten sind zu berücksichtigen.
Psychische Beanspruchung
Personen unterscheiden sich in der Art, wie sie Anforderungen und Belastungen erleben und damit umgehen. In Anlehnung an die arbeitspsychologische Tradition wird zwischen den objektiv erfassbaren Belastungen einerseits und der psychischen Beanspruchung andererseits unterschieden (siehe auch EN-ISO 10075-1 2000 "Ergonomische Grundlagen bzgl. psychischer Arbeitsbelastung". Beuth-Verlag, Berlin).
Mit psychischer Beanspruchung sind die unmittelbaren Wirkungen der psychischen Belastungen auf den einzelnen Menschen gemeint. Aber auch Anforderungen können zu psychischer Beanspruchung führen.
Ob jemand Belastungen oder Anforderungen als psychische Beanspruchung erlebt, hängt von einer Vielzahl von Variablen ab. Hierzu gehören z.B. fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen (vgl. auch das transaktionale Modell von LAZARUS (z. B. bei Rudow (1994). Die Arbeit des Lehrers. Bern: Huber-Verlag)). -
Ansatzpunkte für gesundheitsfördernde Maßnahmen
Bemühungen um den Erhalt und die Förderung von Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Lehrkräften und Schulleitungen können an drei Punkten ansetzen:
am Verhalten der Lehrkräfte, an den Verhältnissen in der einzelnen Schule und an den Rahmenbedingungen des Schulsystems.
an der psychischen Beanspruchung einzelner Personen ansetzen (Verhaltensmanagement)
Verhaltensmanagement bedeutet, eigene Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu üben, zu entwickeln oder zu erwerben, um Anforderungen gerecht werden zu können oder Belastungen zu bewältigen und so die psychische Beanspruchung zu reduzieren.
an den Arbeitsbedingungen in der einzelnen Schule ansetzen (Verhältnismanagement)
Verhältnismanagement ist das Bemühen, die Verhältnisse, unter denen eine Person leben und/oder arbeiten muss, in Bezug auf Aufgabenerfüllung und Arbeitszufriedenheit optimal zu gestalten und Belastungen zu reduzieren oder wenn möglich zu beseitigen.
an den Rahmenbedingungen des Schulsystems ansetzen (Verhältnismanagement)
Dies kann auf der innerschulischen Ebene und auf der systembezogenen Ebene realisiert werden.
Das Projekt Lehrergesundheit will Anregungen und Hilfen für beide Ansatzpunkte geben. -
Zielrichtungen von gesundheitsfördernden Maßnahmen:
Unabhängig davon, ob es sich um Verhältnismanagement oder Verhaltensmanagement handelt, können Maßnahmen unterschiedliche Zielrichtungen verfolgen. Sie
Intervention
zur Wiederherstellung von Gesundheit und Dienstfähigkeit beitragen
Prävention
individuelle und institutionelle Risikofaktoren beseitigen oder reduzieren helfen
Salutogenese
darauf ausgerichtet sein, Kräfte und Kompetenzen zum Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu aktivieren und zu stärken
Das Projekt Lehrergesundheit setzt seinen Schwerpunkt auf die Stärkung der Kompetenzen und auf die Prävention.
Interventive Maßnahmen können nur in einzelnen Fällen erfolgen. Allerdings sollen Vorschläge entwickelt werden, wie gesundheitlich beeinträchtigte Lehrkräfte alternativ zum Unterricht eingesetzt werden können.
Ein Schaubild hierzu können Sie sich rechts herunterladen. -
Lehrergesundheit zwischen SOLLEN, WOLLEN und KÖNNEN
Es wird ein Modell vorgestellt, das die konzeptionellen Ansätze des Projektes Lehrergesundheit zusammenführt und deutlich macht, warum Menschen von objektiv gleichen Belastungen subjektiv sehr unterschiedlich beansprucht sein können. Es dient darüber hinaus der Strukturierung des Feldes "Lehrergesundheit" und hilft, Ansatzpunkte für Maßnahmen auf individueller, kollegialer und schuladministrativer/bildungspolitischer Ebene aufzuspüren, die geeignet sind, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Lehrkräften und Schulleitungen zu erhalten und zu fördern.
SOLLEN
beinhaltet den beruflichen Auftrag mit seinen Anforderungen, Belastungen und Arbeitsbedingungen.
WOLLEN
umfasst persönliche Zielsetzungen, Erwartungen an die Selbstwirksamkeit, Ansprüche an sich selbst und andere.
KÖNNEN
meint fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen, Leitungsfähigkeit, Ressourcen sowie das unter den jeweiligen Umständen Erreichbare bzw. Bewirkbare.
Für eine langfristig stabile psychische und physische Gesundheit sollte das Verhältnis von SOLLEN, WOLLEN und KÖNNEN ausgeglichen sein. Bei gravierenden, andauernden Ungleichgewichten kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.
Den Aufsatz Lehrergesundheit zwischen SOLLEN, WOLLEN und KÖNNEN von Helmut Heyse können Sie sich rechts herunterladen.

